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Helsinki Trip

Diese Website ist ein Blog meiner Reise mit Zug, Schiff und Bus von Graz nach Helsinki und wieder zurück. Der fünftägige Aufenthalt in Helsinki war beruflicher Natur, die Hin- und Rückreise allderdings als Urlaubsreise geplant. Dies soll auch verdeutlichen, dass der Verzicht auf Flugreisen interessante und spannende Erlebnisse mit sich bringen kann.

Letzte Änderung: 17. Oktober 2025, 21:00 CEST

Reiseroute

Die Reiseroute durchlief zehn EU-Länder (inkl. Österreich) und dauerte 15 Tage: Graz - Hamburg - Kopenhagen - Malmö - Stockholm - Turku - Helsinki - Tallinn - Riga - Vilnius - Warschau - Brünn - Graz.

1Zugfahrt Graz - Hamburg

Mittwoch, 1. Oktober 7:26 - 20:50

Die erste Etappe bis Hamburg verlief schon mal so gut wie problemlos. Nach über dreizehn Stunden in drei Zügen war die Ankunft um neun Uhr abends nur eine Stunde verspätet. Die geplante Umsteigezeit von einer Stunde in Nürnberg schmolz auf angenehme zehn Minuten. Durch die Sitzplatzreservierungen mit Tisch und die ruhigen Mitreisenden ließ sich der Tag gut zum Arbeiten nutzen.

Das Gebäude des Hauptbahnhofs in Hamburg ist sehenswert. Es wurde um 1900 als Stahl-Glas-Konstruktion errichtet. Auch wenn es dem Kaiser Wilhelm II damals nicht gefallen hat, wirkt es heute sehr ästhetisch.

2Ein Tag in Hamburg

Donnerstag, 2. Oktober

Die Innenstadt rund um das Rathaus ist ganz schön und gemütlich zum Durchspazieren. Es gibt überall Kanäle und Wasserbecken, viele Bäume und wenig Verkehr. Die Häuser und Straßen sind großzügig angelegt und strahlen Selbstbewusstsein aus. Das Rathaus wurde Ende des 19. Jh. erbaut und ist ähnlich pompös wie das Wiener Rathaus. Sehr schön ist es auch, am Jungfernstieg am Alster-Bassin zu sitzen und der Fontäne zuzusehen.

Südlich der Innenstadt ist die Speicherstadt, die aus einem Ensemble aus großen Backsteingebäuden besteht, die alle mit Schiffen erreichbar sind und früher für die Lagerung der Handelsgüter bestimmt waren. Mittlerweile ist sie Weltkulturerbe und beherbergt zahlreiche Museen und Büros. Highlight der Speicherstadt ist die Elbphilharmonie, die auf einem der alten Speicher für Kakao und Kaffee drauf gebaut wurde (wobei nur die alte Fassade erhalten ist). Der Bau ist sowohl von außen als auch von innen spektakulär. Das Foyer oberhalb des alten Speichers und unterhalb des modernen Teils lässt sich mittels einer gebogenen Rolltreppe durch einen mit Glasscheiben ausgestatteten Tunnel (Tube) erreichen und bietet einen tollen Ausblick auf den Hafen.

Angrenzend an die Speicherstadt sind der Hafen und die Hafencity, wo Containerschiffe, Ausflugsschiffe und Museumsschiffe anlegen. Eine einstündige Hafenrundfahrt bei Sonnenschein und mit Drink am Deck war sehr lohnend. Sehr schön ist auch der Bereich bei den Landungsbrücken, wo die kleineren Schiffe anlegen. Dort kann man von der Speicherstadt zwei Kilometer an der Elbe spazieren, Fischbrötchen an den Ständen essen oder in ein Restaurant in einem der zahlreichen Boote einkehren. Hier gibt es auch zahlreiche Schiffe, die man jetzt als Museum besichtigen kann (inklusive eines U-Boots). Besonders sehenswert ist auch der alte und nunmehr restaurierte Elbtunnel, der unter der Elbe auf die andere Seite zu einem schönen Aussichtspunkt führt.

Die Beatles waren von 1960 bis 1962 vor ihrem Durchbruch in Hamburg (siehe Geschichte der Beatles in Hamburg) und sind unzählige Male in drei Clubs auf der Reeperbahn bzw. Großen Freiheit aufgetreten, wo damals wie heute das Rotlichtviertel Hamburgs zu finden ist: Zuerst waren sie im Indra (Große Freiheit 62), das heute immer noch Indra Musikclub heißt. Dann spielten sie im Kaiserkeller (Große Freiheit 36) und später im selben Club unter dem neuen Namen Star Club). Dazwischen spielten sie noch im Top Ten (Reeperbahn 134), der heute Molotow Musikclub heißt. Außerdem ist noch der Beatles-Platz zu besichtigen, der sich an der Kreuzung Große Freiheit und Reeperbahn befindet und wo die Band als Metallskulpturen aufgestellt ist.

Die zwei Nächte verbrachte ich in einem Hotel am Steindamm ein paar Gehminuten östlich des Hauptbahnhofs. Die Gegend ist besonders in der Nacht sehr laut, unruhig und man hört kein deutsches Wort mehr. Gemessen am günstigen Preis der passenden Lage war das Hotel aber in Ordnung.

3Zugfahrt Hamburg - Kopenhagen

Freitag, 3. Oktober, 8:50 - 14:00

Weiter gings mit einem durchgehenden Zug von Hamburg nach Kopenhagen, der nach fünf Stunden Fahrtzeit pünktlich ankam. Auf der Fahrt sieht man viel flaches, grünes Land, viele Windräder und natürlich das Meer. Besonders interessant sind die Querungen über das Meer von Jütland nach Fünen auf einer Niedrigbrücke und von Fünen nach Seeland auf einer 8km langen Niedrigbrücke und dann durch einen ebenso langen Tunnel unter dem Meer. Am Bahnhof in Kopenhagen konnte ich das Gepäck im überteuerten Schließfach verstauen und mit zur Stadtbesichtigung aufbrechen.

4Ein Nachmittag in Kopenhagen

Freitag, 3. Oktober, 14:00 - 19:00

Bei schönem Wetter ging sich ein Spaziergang durch die Stadt in knapp fünf Stunden aus. Beginn war der Nyhavn (Neuer Hafen), der als eine Art Wahrzeichen zwar sehr pittoresk ist mit seinen Häusern, Schiffen und Restaurants, aber auch vollkommen mit Touristen überfüllt ist. Weiter ging es zur Amalienborg, dem Sitz des dänischen Königs. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Oper über einem Meeresarm. In der selben Flucht auf der anderen Seite ist die Frederikskirche zu sehen, die als Zentralbau mit riesiger Kuppel erst vor gut 100 Jahren fertiggestellt wurde. Nächste Station war der Runde Turm, der als ältestes funktionierendes Observatorium auch heute noch von Amateurastronomen genutzt wird. Von oben hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt, nachdem man acht Stockwerke in einer Spirale erklimmen mußte. Danach gings dann in der Ströget zum Bahnhof zurück. Die Ströget ist eine sehr lange und belebte Einkaufsstraße, die mit Gewand- und Designer Shops angefüllt ist. Zwischen Ende dieser Straße und dem Bahnhof liegen dann noch das Rathaus und der Vergnügungspark Tivoli. Eine lange Menschenschlange am Ticketschalter verhinderte allerdings das Betreten. Hier gibt es noch detailliertere Infos.

5Zugfahrt Kopenhagen - Malmö

Freitag, 3. Oktober, 19:00 - 19:45

Nach einem schönen Sightseeing Nachmittag ging es dann mit dem Regionalzug weiter nach Malmö. Auch wenn die Fahrt kurz war, war sie doch auch spektakulär, da sie über die Öresundbrücke führte. Leider war es bereits dunkel und ich konnte nichts von der tollen Brücke sehen.

Der Bahnhof in Malmö ist auf den ersten Blick beim Ankommen ein unattraktiver Neubau. Es gibt aber noch einen alten Teil, in dem jetzt Restaurants untergebracht sind. Auch die Bahnsteige sind noch mit einer alten Eisen-Glas-Konstruktion überdacht, die sich bei der Abreise als sehr undicht erwies.

6Ein Vormittag in Malmö

Samstag, 4. Oktober, 9:00 - 14:00

Eigentlich wäre ein Besuch des Malmöhus und des Turning Torso von Calatrava geplant gewesen. Leider war das Wetter so stürmisch und regnerisch, dass der Regenschirm seinen Nutzen verlor. Somit beschränkte sich die Besichtigung auf den großen zentralen Platz Stortorget und den kleineren Platz Lilla Torg. Am Stortorget sind vor allem das Rathaus und der davorliegende Brunnen auffällig. Außerdem ist noch das in einer Nebengasse liegende Kockska-Huset sehenswert. Der Lilla Torg ist kleiner und zeichnet sich durch die alten kleinen Fachwerkhäuser aus. In einem davon befindet sich das Design Center. Am Abend ist dieser Platz voll mit Restaurants, wodurch eine tolle Stimmung entsteht.

Da ich nach dem kurzen Sightseeing-Programm schon ziemlich nass war, verbrachte ich den restlichen Vormittag in einem netten Cafe am Stortorget, das der Kette Espresso House angehört.

Das Hotel war sehr zentral in einem schönen alten Bau an der Ecke zwischen den beiden Plätzen Stortorget und Lilla Torg gelegen. Aufgrund der vielen Restaurants mit Gastgärten im Freien am Lilla Torg war es auch hier etwas laut in der Nacht.

7Zugfahrt Malmö - Stockholm

Samstag, 4. Oktober, 14:07 - 18:33

Im Vorfeld gab es schon eine Wetterwarnung mit dem Angebot, seine Reise kostenlos zu verschieben oder sein Ticket gratis zu stornieren. Das war natürlich keine Option in meiner durchgetakteten Reise. Der Zug fuhr dann aber pünktlich ab und kam auch pünktlich an. Während der Fahrt sieht man sehr viel dünn besiedeltes Land, Wald, viele Seen. Das WLAN im Zug hat hier sehr gut funktioniert und die Zugfahrt war als Ganzes äußerst angenehm.

8Ein Abend in Stockholm

Samstag, 4. Oktober, ab 18:33

Da es auch in Stockholm in Strömen regnete, ist der Abendspaziergang durch die Altstadt auch ausgefallen.

Das Hotel ist gleich neben dem Bahnhof gelegen, genauer gesagt ist es über den Gleisen gebaut. Es ist modern und gestylt, aber zu funktional, um gemütlich zu sein.

9Schiffahrt Stockholm - Turku

Sonntag, 5. Oktober, 07:45 - 19:50

Die Schifffahrt war das bisherige Highlight der Reise. Sie führte bei sonnigem Wetter stundenlang durch die zerklüftete Küstenlandschaft Schwedens und Finnlands mit einem Zwischenstopp auf der Insel Mariehamn. Nach elf Stunden Blick aufs Meer war die Entspannung groß. Das Schiff selbst hat zehn Geschosse und gleicht einem schwimmenden Einkaufszentrum. Immerhin gab es genügend Sitzmöglichkeiten an Deck, gratis WLAN und eine Steckdose. Das Ticket war im Vorverkauf günstiger als eine Stunde Hafenrundfahrt in Hamburg.

10Zugfahrt Turku - Helsinki

Sonntag, 5. Oktober, 20:30 - 23:10

Trotz der knapp bemessenen Umsteigezeit von Schiff auf Zug gab es da keine Probleme. Der Hafenbahnhof in Turku ist gleich gegenüber der Anlegestelle, von wo es dann mit dem Zug bis Helsinki ging.

Vorläufiges Fazit

Mittlerweile in Helsinki im Hotel planmäßig angekommen, ist somit der erste Teil der Reise geschafft. Da Montag in der Früh der berufliche Teil beginnt, war es wichtig, dass bei der Anreise nichts schiefgeht. Bisher hat sich die lange Anreise auf jeden Fall ausgezahlt. Auch wenn das Wetter einmal nicht mitspielte, konnte ich drei Städte besichtigen und hatte eine tolle Schiffsreise. Alles war sehr entspannt und hat sich wie ein richtiger Urlaub angefühlt. Weiter geht es dann am Freitag nach Tallinn. Bis dahin muss ich auch beim Blog Schreiben eine Pause einlegen.

11Fünf Tage in Helsinki

Montag, 6. Oktober - Freitag, 10. Oktober

In den fünf Tagen war leider nur wenig Zeit für Sehenswürdigkeiten. Am bemerkenswertesten war mit Sicherheit die Oodi-Bibliothek gleich hinter dem Hauptbahnhof. Der knapp sieben Jahre alte Bau ist von außen und innen durch seine Formgebung spektakulär. Die Bibliothek ist nicht nur für den Bücherverleih gemacht, sondern man kann sie auch als Arbeitsplatz oder Treffpunkt nutzen. Der zweite besondere Platz ist die Felsenkirche aus den 1060er Jahren. Auf einem Hügel wurde ein zylinderförmiges Loch ausgehoben und darüber ein Kupferdach gelegt, sodass noch genug Raum für natürliches Licht zwischen Dach und der zylindrischen Wand ist. Dadurch entsteht eine besondere Atmosphäre im Innenraum.

Ansonsten ging sich noch die Besichtigung des weißen Doms aus, der als klassizistisches Gebäude nicht den besten Eindruck machte. Auch der Innenhof des Kunstmuseums Amos Rex mit seinen aus dem Untergrund hervortretenden Bubbles wirkt als eine nicht so gelungene Replik auf den Innenhof des Grazer Joanneums. Schöner ist da noch der Spaziergang durch die Innenstadt gewesen, der vom Hauptbahnhof über den großen Boulevard zum Esplanadi-Park führte. Hier sind Straßen, Plätze und Gebäude sehr großzügig dimensioniert, wobei die neueren Gebäude für mitteleuropäische Sehgewohnheiten ungewöhnlich sind. Weiter geht es dann durch den Esplanadi-Park zum Hafen, wo auch ältere große Segelboote zu sehen sind.

Die Innenstadt Helsinkis ist voll mit gemütlichen Cafés und coolen Bars, die man an jeder Ecke sieht. Dem Nachtleben kann man sich also ohne Weiteres hingeben, wenn einen die hohen Bierpreise nicht stören. Gute Restaurants waren auch nicht schwer zu finden. Sehr schön waren die Restaurants am Hafen. Die Leute sind insgesamt sehr entspannt und freundlich, was eine gute Atmosphäre in der Stadt schafft. Hier könnte man durchaus noch länger bleiben.

Das Hotel war in einer Seitenstraße des großen Boulevards gelegen, die mit Bäumen auf beiden Seiten ebenfalls sehr ansehnlich war. Das Zimmer war geräumiger als üblich und der Stil war nicht im Widerspruch zu den coolen Bars.

12Schiffahrt Helsinki - Tallinn

Freitag, 10. Oktober, 16:30 - 18:30

Weiter ging es mit einer Schifffahrt nach Tallinn, die diesmal nur zwei Stunden dauerte. Das estnische Schiff war ungefähr gleich riesig wie schon zuvor das finnische Schiff nach Turku, aber durch die vielen Restaurants noch deutlich mehr auf Konsum ausgerichtet. Immerhin war die Fahrt bei blauem Himmel und Sonnenuntergang sehr idyllisch.

13Ein fast ganzer Tag in Tallinn

Samstag, 11. Oktober, bis 17:30

Tallinn hat als ehemalige Hansestadt (damals "Reval") eine wunderbare und noch aus dem Mittelalter stammende Altstadt, die man oberflächlich an einem knappen Tag auch gut besichtigen kann. Sie ist klar umgrenzt von einer teilweise noch erhaltenen alten Stadtmauer mit vielen Wehrtürmen, in denen auch Museen untergebracht sind. Die Straßenzüge bestehen ausschließlich aus älteren bis alten Häusern und sind nicht durch moderne Bausünden verunstaltet. Als Ganzes ist die Altstadt sehr gut gepflegt, renoviert und instand gehalten. Die Straßen sind hauptsächlich mit Pflastersteinen versehen und nur wenig Asphalt ist zu finden. Sie ist aber auch klar vom Tourismus geprägt. Restaurants und Souvenirläden findet man an jeder Ecke, die auch gerne die Mittelalter-Vergangenheit hervorheben, allerdings auch ohne ins Kitschige zu fallen.

Der Rathausplatz ist Zentrum der Altstadt mit schönen Häusern, Cafés und blumengeschmückten Sitzgelegenheiten. Dort steht auch das Rathaus, ein spätgotischer Profanbau mit Bogengang und charakteristischem achteckigen Turm mit dem Wahrzeichen Tallinns an der Spitze, dem "Alten Thomas". Außerdem ist dort noch die Ratsapotheke zu finden, eine der ältesten, noch im Betrieb befindlichen Apotheken Europas.

Die Heilig-Geist-Kirche ist eine evangelische Kirche mit schönem, schmalen Barockturm und gotischem Interieur. Die ehemalige Nikolaikirche beherbergt jetzt ein Museum mit Grabsteinen, gotischen Altären und alten Kelchen aus Silber. Besonders schön ist die Aussichtsplattform im Kirchturm, die einen Rundumblick über die Stadt erlaubt. Der Katharinen-Gang in einer Seitenstraße und andere kleine Straßen und Hinterhöfe lassen einen das Mittelalter in der Stadt spüren. Der gotische Dom steht auf einer Anhöhe, von wo es auch eine gute Aussicht gibt.

Abgesehen von der Altstadt war leider kaum Zeit für Besichtigungen. Zu erwähnen ist jedoch das Rotermann-Viertel, das früher große Industriebetriebe beheimatete und jetzt ein neues Zentrum darstellt, das von interessanter bis grotesker Architektur geprägt ist. Toll war auch der Markt am Baltischen Bahnhof (Balti Jaama Turg), der in einer alten Halle untergebracht ist und viele Essens- und Verkaufsstände beinhaltet. Ansonsten ist die moderne Stadt Tallinn geprägt von vielen neuen Glashochhäusern, die sich zw. Altbestand einfügen.

Das Hotel war in einem modernen Glashochhausviertel zwischen Hafenterminal und Altstadt. Aus Kostengründen habe ich ein möglichst billiges genommen, das sich als ein sehr modernes und digitalisierte Unterkunft erwies. Einchecken, Auschecken und Gepäckaufbewahrung nach Auschecken wurde alles an einem Terminal mit einem vorher zugeschickten Code erledigt. Die Ausstattung war spartanisch und stylisch zugleich.

14Busfahrt Tallinn - Riga

Samstag, 11. Oktober, 17:30 - 21:45

Weiter ging es mit dem Flixbus nach Riga. Da es (noch) keine Züge von Tallinn bis Riga und weiter nach Polen gibt, ist das Autobusnetz entsprechend gut ausgebaut. Die Busbahnhöfe haben angenehme Wartebereiche mit Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Die Fahrt verlief zumindest in Estland durch weite Wälder und dünn besiedeltes Land bei wenig Verkehr. Danach wurde es dunkel, als wir die Grenze überquerten. Obwohl der Bus voll besetzt war, war es trotzdem sehr ruhig.

15Ein ganzer Tag in Riga

Sonntag, 12. Oktober

Die Altstadt von Riga ist voll von alten Häusern aus verschiedenen Stilrichtungen, die zum Teil auch seit der Unabhängigkeit wieder aufgebaut wurden. Die vielen Plätze und gepflasterten Steine geben ihr eine reizvolle Atmosphäre und durch die vielen Cafés, Restaurants und Gastgärten wird sie auch recht lebendig. Sehr schön sind auch die großzügig angelegten Parkanlagen rund um die Altstadt.

Beim Rundgang bei windigem und teilweise regnerischem Wetter konnte ich die wichtigsten Orte zumindest von außen zu sehen bekommen. Das Schwarzhäupterhaus war jahrhundertelang ein Ort der Zusammenkunft deutscher Kaufleute und Bürger. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, wurde es danach wieder originalgetreu aufgebaut. Der Dom ist ein 800 Jahre alter monumentaler gotischer Bau mit sehr schönem Kreuzgang, in dem sich Stücke des Museums für Geschichte befinden. Die Petrikirche ist eine gotische Kirche und bis zum Zweiten Weltkrieg war sie die Hauptkirche der deutschsprachigen Bevölkerung. Angrenzend an die Kirche befindet sich eine Skulptur der Bremer Stadtmusikanten, die von der Partnerstadt Bremen gespendet wurde. Das Freiheitsdenkmal ist ein Symbol der Unabhängigkeit und Freiheit Lettlands. Die drei Brüder sind ein dreiteiliges Gebäudeensemble ehemaliger Wohnhäuser, in dem heute der Sitz der Nationalen Denkmal Verwaltung untergebracht ist. Interessant sind auch die Jugendstilhäuser in der Alberta-Straße und das Haus in der Elizabetes-Straße 10b.

Das Hotel war am Rande der Altstadt gelegen und schon etwas in die Jahre gekommen. Es war aber ein stilvolles Gebäude und bot ein großes Zimmer.

16Busfahrt Riga - Vilnius

Montag, 13. Oktober, 11:10 - 15:45

Die Busfahrt ging durch ausschließlich flaches Land mit Feldern und Wäldern. Jeder Maulwurfshügel war schon eine signifikante Erhebung. Nach zwei riskanten Überholmanövern war ich froh, heil in Vilnius angekommen zu sein.

17Ein kurzer Nachmittag in Vilnius

Montag, 13. Oktober, ab 16:00

Die eigentliche Altstadt ist nicht sehr groß und schnell zu durchwandern. Sie bietet nicht so sehr ein kohärentes Stadtgefühl mit öffentlichen Plätzen, auf denen man gut verweilen kann, wie etwa Tallinn und Riga. Die Altstadt ist aber trotzdem sehr schön mit ihren kleinen Häusern, Alleen und den vielen Bars entlang der Straßen. Die offiziellen Highlights (Universität, Kathedrale) sind eher eigenartige Bauten. Das Hochhausviertel auf der anderen Seite des Flusses beeindruckt durch seine Skyline. Das Museum moderner Kunst (MMO) ist ein Bau von Daniel Liebeskind, der anscheinend die unattraktive Architektur des Doms nicht übertreffen möchte.

Highlight des Aufenthalts war die Besichtigung des Lukiškės-Gefängnisses. Nach hundertjähriger Verwendung wurde es 2019 aufgelassen und wird seither als Event-Location verwendet. Eine zweistündige Führung ermöglichte auch die eingehende Besichtigung von innen. Das Gefängnis war zum Zeitpunkt der Erbauung das modernste im russischen Zarenreich. Da es aber nie adaptiert wurde, kann man den Originalzustand eines Gefängnisses vor hundert Jahren sehen. In den kleinen Zellen wurden zwei bis manchmal acht Personen gefangen gehalten und in einer Zelle wurde neuerdings eine Pappfigur von Putin aufgestellt.

Das Hotel war zwischen Altstadt und Busbahnhof gelegen und war angenehm zum Verweilen.

18Busfahrt Vilnius - Warschau

Dienstag, 14. Oktober, 10:50 - 18:40

Die Busfahrt nach Warschau war mit fast neun Stunden die längste der drei Busfahrten (inklusive der einen Stunde Stau in Warschau). Immerhin funktionierte wie auch bei den anderen beiden Internet-Zugang über WLAN einigermaßen gut. An der Grenze zu Polen gab es eine intensive Passkontrolle, obwohl Litauen und Polen Mitglieder des Schengenraums sind. Die Landschaft war nicht mehr ganz so flach und bei sonnigerem Wetter waren die herbstlich verfärbten Bäume und Wälder schön anzuschauen. Interessant war bei dieser Fahrt auch die Querung der Suvalki-Lücke, die Kaliningrad mit Russland verbindet. Nach der Querung änderte sich auch die Landschaft etwas und man sah mehr kultivierte Agrarflächen statt der Wälder. Der Bus war übrigens ein durchgehender Bus von Rovaniemi im Norden Finnlands über die Baltischen Staaten bis nach Kielce im Süden Polens.

19Eine Abendstunde in Warschau

Dienstag, 14. Oktober, 20:00 - 21:00

Für die Besichtigung Warschaus war nur eine Stunde Zeit, aber mehr ist auch nicht nötig. Nachdem sich der Bus schon vorher eine Stunde durch den Stau endloser Autokolonnen mühte, die durch hässliche Plattenbauten führten, war die Ankunftszeit schon eine Stunde verspätet. Der Busbahnhof liegt praktischerweise neben einem Außenbahnhof auf der Linie zum Hauptbahnhof. Ticketautomaten konnte ich aber keine finden und die Schlange am Schalter war immens lang. Somit entschloss ich mich mit einem der ankommenden InterCity schwarz bis zum Hauptbahnhof zu fahren, wo auch mein Quartier war. Die Hausnummer war allerdings versteckt und in der Nacht kaum zu finden.

Da es dann schon acht Uhr abends, bis ich mit der Besichtigung beginnen konnte, entschied ich mich, nicht mehr in die wiederaufgebaute Altstadt zu fahren, sondern im modernen Hochhausviertel rund um den Hauptbahnhof zu spazieren. Dort befindet sich der Kulturpalast, der in den 1950er Jahren auf Anordnung Stalins gebaut wurde. Damals noch das höchste Gebäude Polens, ist es jetzt von einer größeren Anzahl von Wolkenkratzern umgeben, deren Architektur nicht einmal an das sozialistische Gebäude herankommt. Am Abend macht das ganze Viertel eher einen asiatischen Eindruck mit seinen hell erleuchteten und bunten Gebäuden. Das ganze Viertel ist sehr belebt, aber einen angenehmen Platz zum Verweilen gibt es nicht.

Für die Übernachtung hatte ich ein günstiges Appartment gleich neben dem Hauptbahnhof. Die Lage war super, das fehlende WLAN nicht.

20Zugfahrt Warschau - Brünn

Mittwoch, 15. Oktober, 8:52 - 16:36

Ab Warschau ging es dann wieder mit dem Zug weiter bis Brünn mit Umsteieg in Breclav. Die Strecke ist bis auf kleine, in Bau befindliche Abschnitte, sehr gut ausgebaut und ermöglichte ein schnelles Weiterkommen. Platz mit Tisch und Steckdose ist natürlich angenehmer als die beengten Autobusse. WLAN hat sehr schlecht funktioniert.

21Nachmittagsspaziergang durch Brünn

Mittwoch, 15. Oktober, 16:36 - 19:22

Brünn ist eine sehr imposante Stadt, bei der man gleich auf den ersten Blick die Verwandtschaft mit Wien sieht. Gebäude und Straßenzüge sind sehr pompös und glücklicherweise ist die Innenstadt mehr oder weniger autofrei. Die Innenstadt ist zwar nich groß und man kann alles relativ schnell abgehen, aber um die Ausstrahlung zu erfassen, wäre viel mehr Zeit nötig gewesen. Jedenfalls war das ein würdiger Abschluss nach dem Debakel in Warschau.

Der kurze Spaziergang bei leichtem Regen umfasste folgende Stationen. Zuerst ging es zur gotischen Kathedrale St. Peter und Paul, die auf einem Hügel zw. Bahnhof und Altstadt liegt und vor allem vom Bahnhof aus imposant ist. Dann ging es weiter zum Krautmarkt mit dem barocken Parnass-Brunnen im Mittelpunkt. Gleich daneben befindet sich das alte Rathaus, das durch seinen Turm und Innenhof besticht. Nur ein paar Meter weiter kommt man dann zum Freiheitsplatz mit der Brünner Uhr als markantes Objekt. Schließlich ist noch die gotische St.-Jakobs-Kirche zu erwähnen, die durch ihr lichtdurchflutetes Inneres ein besonderes Raumerlebnis bietet.

22Zugfahrt Brünn - Graz

Mittwoch, 15. Oktober, 19:22 - 23:33

Für den letzten Abschnitt gabs einen durchgehenden Zug von Brünn nach Graz. Der Bahnhof in Brünn ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Für die Gepäckaufbewahrung muss man lange suchen, bis mir jemand erklärte, dass man eine Klingel mit einer tschechischen Aufschrift drücken muss. Dann wurde der Koffer händisch mit dem Hinweis übernommen, wann Öffnungszeiten und halbstündige Pausen sind. Immerhin war es nicht einmal halb so teuer wie das Schließfach in Kopenhagen. Die Anzeigetafel zeigt erst ein paar wenige Minuten vor Abfahrt das Gleis an, damit man auch andächtig in der schönen Halle wartet, die offenbar noch aus der Monarchiezeit stammt.

Fazit

Die Reise war eine Art Selbstexperiment, ohne Flugzeug aus beruflichen Gründen nach Helsinki zu reisen. Helsinki ist in der Luftlinie 1580 km von Graz entfernt und nicht auf der ganzen Strecke mit dem Zug zu erreichen. Die schnellste und billigste Möglichkeit hätte knapp 40 Stunden durchgehende Reise bedeutet (Zug nach Warschau, direkter Bus bis Tallinn, Fähre nach Helsinki). Das erschien mir aber nicht zumutbar, zumal es ja auch wichtig war, erholt ankommen. Somit lag die Entscheidung nahe, in langsameren Schritten anzureisen und dazwischen Besichtigungstouren zu machen.

Aus organisatorischer Sicht war alles sehr einfach. Dennoch dauerte die Buchung von acht Zugtickets, drei Bustickets, zwei Schifftickets, und acht Hotels ein ganzes Wochenende, zumal ja alles zeitlich und örtlich zusammenpassen musste. Abgesehen davon war keine Planung nötig. In den neun EU-Ländern zahlt man meist mit Euro oder sonst halt mit Kreditkarte. Die Steckdosen hatten alle die gleiche Norm wie in Österreich oder waren kompatibel und sprachlich kommt man auch irgendwie durch. Für die Sightseeing-Touren war ohnehin nie viel Zeit, womit eine Schnellrecherche ein paar Stunden vorher ausreichend war. Das Smartphone mit GPS-Funktion erspart einem das längere Suchen. Die Verkehrsmittel waren fast alle sehr pünktlich und zuverlässig, wodurch keine Improvisation vor Ort nötig war. Abenteuer war es damit aber auch keines, wenn nichts schiefgeht.

Inhaltlich ergaben sich durch die vielen Reise- und Besichtigungsaktivitäten sehr viele Eindrücke und Erlebnisse. Auch wenn an jedem Ort nur eine oberflächliche Besichtigung möglich war, ergab sich doch ein guter Eindruck der jeweiligen Stadt. Es gab aber kaum Spielraum für spontane Entscheidungen, irgendwo länger zu bleiben oder etwas genauer anzusehen. Der Besuch von Museen und ein tiefgreifendes Eintauchen war nicht möglich. Dennoch zahlte sich diese Art des Reisens aus, da sie auch einen recht direkten Vergleich der Städte und Länder ermöglichte.